Asiatische Hornisse in Bürstadt

Von einem aufmerksamen Mitglied der NABU Ortsgruppe Bürstadt wurden am 23. Oktober 2020 an Bienenstöcken zwei Asiatische Hornissen beobachtet. Die uns zugesendeten Fotobelege lassen eine eindeutige Determination von Vespa velutina zu. Die gemeinsame nachfolgende Kontrolle der Bienenstöcke am 25. Oktober erbrachte innerhalb einer Stunde den Nachweis von vermutlich etwa vier weiteren Arbeiterinnen, die die Bienenstöcke aufsuchten. Ein Tier wurde als Beleg entnommen (vgl. Foto, coll. Tischendorf). Die Nachweise erfolgten wenige Kilometer entfernt vom Erstnachweis bei Lorsch im Herbst 2019. Durch die neuerlichen Nachweise ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Art in Hessen reproduziert hat. Weitere Nachweise in Südhessen sind zu erwarten.

Asiatische Hornisse – Vespa velutina in Bürstadt © Stefan Tischendorf

Es gibt bislang keine Hinweise, dass die Asiatische Hornisse in Deutschland in irgendeiner Form für unsere einheimischen Insektenarten eine Gefährdung darstellt. Die sehr langsame Ausbreitung in der Oberrheinebene seit dem ersten Fund in 2014 nahe Karlsruhe und die geringe Zahl an gefundenen Nestern lässt eher den Schluss zu, dass die Population der Art sich in Deutschland auf einem niedrigen und für das Ökosystem „naturverträglichen“ Niveau einpendeln wird. Auch für den Menschen sind Asiatische Hornissen nicht gefährlicher als Honigbienen oder die im Volksmund als „Wespen“ bezeichneten heimischen Sozialen Faltenwespen. Die Asiatische Hornisse ist bei ihrer Beutejagd auch nicht auf Honigbienen spezialisiert. Eigene Beobachtungen in Frankreich zeigen, dass sie vielmehr das als Beute bevorzugt, was vor Ort im Überfluss an Insekten vorhanden ist und in kurzer Zeit erbeutet werden kann. Für diese Strategie spricht auch, dass Asiatische Hornissen meist erst im Herbst an Bienenstöcken auftreten, wenn andere Insekten abgestorben sind. Für ein gesundes Honigbienenvolk, dass im Sommer aus bis zu 50000 Arbeiterinnen besteht, sind solche Verluste daher in der Regel nicht bedrohlich.

Die Asiatische Hornisse ist nicht zu verwechseln mit der Orientalischen Hornisse (Vespa orientalis) und der deutlich größeren Japanische Riesenhornisse (Vespa mandarinia). Beide Arten kommen in Mitteleuropa nicht vor, aus Asien sind jedoch größere Schädigungen von Bienenvölkern durch Vespa orientalis und V. mandarina dokumentiert. Fotos von V. orientalis und V. mandarinia wurden in der jüngeren Vergangenheit in den Medien oftmals fälschlicherweise in Zusammenhang mit der Ausbreitung der Asiatischen Hornisse gezeigt, was wegen der anderen Biologie beider Arten möglicherweise dazu beigetragen hat, dass nun in Mitteleuropa entsprechende Vorurteile gegenüber der Asiatischen Hornisse entstanden sind. Nähere Informationen zu unserer nun als heimisch zu bezeichnenden Asiatischen Hornisse Vespa velutina finden sich z.B. im Buch „Atlas der Faltenwespen Hessens“ oder im Internet unter http://www.zobodat.at/pdf/Ampulex_7_0042-0053.pdf.

Literatur:

Tischendorf, S., Engel, M., Flügel, H-J., Geske, C. & K.H. Schmalz (2015): Atlas der Faltenwespen Hessens.- Hessen Forst FENA Wissen, Band 3, 260 Seiten, Gießen.

Das Buch „Atlas der Faltenwespen Hessens“ steht auch im Internet (www.researchgate.net) als pdf zum download bereit oder es ist als Buch zu bestellen (ISBN-Nummer: 978-3-9814181-2-5).

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