Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Hymenopterologen zur Berichterstattung über das Vorkommen der Asiatischen Hornisse in Hessen

Stand 24.10.2019

Nun ist die Asiatische Hornisse also in Hessen angekommen. Wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) diese Tage mitgeteilt hat, wurde die zu den Faltenwespen gehörende Asiatische Hornisse Vespa velutina in Südhessen bei Lorsch zweifelsfrei durch ein Foto nachgewiesen. Wie wir bereits im Jahr 2015 mitgeteilt haben, war die Besiedlung Hessens schon seit einigen Jahren von uns erwartet worden, da sie im Norden Baden-Württembergs bereits weiterverbreitet ist. Da in den Medien nun erneut die Behauptung aufgestellt wird, die neue Hornissenart bedrohe die Honigbiene, möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass es in Deutschland seit dem ersten Nachweis im Jahr 2014 keine belastbaren Hinweise dazu gibt. Diese Aussage ist rein spekulativ, hat ihren Ursprung in Frankreich, ist möglicherweise sogar falsch, aber zumindest so auf die Situation in Deutschland nicht zu übertragen! Zwar ist in Frankreich durch einige Imker über punktuelle Schädigungen berichtet worden, jedoch bezweifeln Fachleute, dass diese Verluste an Bienenstöcken allein auf die Asiatische Hornisse zurückzuführen sind. Betroffen waren vor allem Völker, die vorgeschädigt waren. Ebenso gibt es keine belastbaren Untersuchungen, die eine nennenswerte Bedrohung von anderen Insektenarten in Deutschland, z.B. das von Wildbienen, belegen. Dies wurde auch von uns, der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Hymenopterologen, die sich seit über 20 Jahren in Hessen federführend mit Wildbienen befasst und die Rote Liste der Wildbienen erstellt hat, noch nie beobachtet. Auch ist die infolge des Nachweises in Hessen gestern in einem Videobeitrag getroffene Aussage des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie, die einheimische Hornisse würde anders als die Asiatische Hornisse NICHT vor Bienenstöcken auf Honigbienenjagd gehen, so nicht richtig. Dieses Verhalten ist bei beiden Arten zu beobachten, also auch bei der unter Artenschutz stehenden einheimischen Hornisse Vespa crabro! In Deutschland gibt es keine Beobachtungen oder Hinweise darauf, dass die Asiatische Hornisse oder die einheimische Hornisse Vespa crabro Bienenvölker gefährdet!  So fand sich das erste in Deutschland nachgewiesene Nest in einer Imkerhütte, ohne dass an den benachbarten Bienenstöcken Hornissen bei der Jagd beobachtet wurden! Auch geht für gesunde Menschen von beiden Arten keinerlei Gefahr aus. Der Stich einer Honigbiene hat für Allergiker die gleichen Auswirkungen wie bei dem einer Hornisse. Leider ist das Internet voll von Legenden („Killerhornissen“ etc.).

Die Arbeitsgemeinschaft Hessischer Hymenopterologen appelliert daher an die Medien sachlich zu berichten und die Bevölkerung nicht durch Sensationsjournalismus zu verschrecken. Die bisherige Reduzierung der Berichterstattung zur „möglichen Gefährdung von Insekten durch die Asiatische Hornisse“ führt bereits dazu, dass diese in der Bevölkerung unumkehrbar als Bedrohung eingestuft wird und Handlungsbedarf bestünde. Zudem sind nach Europa versehentlich verschleppte Insektenarten durch Bekämpfungsmaßnahmen nicht mehr rückgängig zu machen. Leider ist zu befürchten, dass durch die bisherige Berichterstattung aufgeschreckte Mitbürger die falschen Schlüsse aus dem Vorkommen der Asiatischen Hornisse ziehen.

Informationen zu Faltenwespen (unter anderem auch zur Asiatischen Hornisse) finden sich ausführlich in dem von uns erstellten und im Jahr 2015 erschienenen „Atlas der Faltenwespen Hessen“ (Herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz). Einen Auszug aus diesem Buch über die Asiatische Hornisse finden Sie hier. Das gesamte Buch (260 S.) ist im Internet kostenlos als pdf erhältlich. Die Stellungnahme als pdf finden Sie zudem hier.

Zudem hat sich der Biologe Rolf Witt (Oldenburg) bereits seit vielen Jahren mit der Biologie der Asiatischen Hornisse beschäftigt und informiert darüber ausführlich auf seiner Internetseite.

 

Im Namen Hessischer Hymenopterologen:

Karl-Heinz-Schmalz, Stefan Tischendorf, Daniela Warzecha

 

 

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